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Cardano: Einblicke in Projekt & Technologie – Interview mit Lars Brünjes

von | Jun 26, 2021 | Fachartikel | 0 Kommentare

Cardano: Was in dem Projekt steckt – Ein Interview mit Lars Brünjes

Fuchs Inc. hat mit Lars Brünjes von Cardano gesprochen. Und zwar unter anderem über die Programmiersprachen Plutus, Marlowe und Solidity.

Wir wünschen viel Spaß bei diesem spannenden Einblick!

Um Cardano ist in der letzten Zeit ein regelrechter Hype entstanden. Nicht nur hat die native Kryptowährung ADA den momentanen Bärenmarkt im Vergleich zu vielen anderen Altcoins wesentlich besser überstanden, auch punktet das Projekt Cardano mit vielen interessanten Partnerschaften auf dem afrikanischen Kontinent. Fuchs Inc. hat mit Lars Brünjes von IOHK – Input Output Hong Kong, dem Unternehmen hinter Cardano – gesprochen. Dabei ging es unter anderem über die Programmiersprachen Plutus, Solidity und Marlowe, die die technologische Grundlage für Cardanos Erfolg liefern.

Lars Brünjes hat einen Doktortitel in Mathematik von der Universität Regensburg. Nach einem Jahr an der der University of Cambridge in Großbritannien und diversen Forschungs- und Lehrtätigkeiten, startete Lars als leitender Softwarearchitekt an mathematischer Optimierungssoftware und Webanwendungen für ein internationales IT-Unternehmen durch. Seit dem Jahr 2016 ist er nun bei IOHK tätig und ist für dieses Interview unser Spezialist für die bei Cardano verwendeten Programmiersprachen.

Cardano und die Wissenschaft

Bei Cardano basiert alles auf Forschung. Entsprechend dauern manche Entwicklungsschritte bei Cardano länger als bei anderen Krypto-Projekten. Allerdings ist es den Projektleitern wichtiger, ein Produkt im optimalen Format auf den Markt zu bringen, als schnelle Features zu produzieren.

„Unser Ansatz war immer, dass es von der Wissenschaft ausgeht und dass wir diesen sogenannten Peer-Review Prozess verfolgen, der auch in der Wissenschaft üblich ist. Dass also bevor jemand irgendeine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, es von Fachkollegen gelesen wird. Und wenn die Flaws finden, wird es erst gar nicht veröffentlicht. Und wir unterziehen all unsere Paper demselben Prozess und veröffentlichen diese dann in angesehenen Fachzeitschriften oder auf Konferenzen. Also gehen genau denselben Weg, den eben auch andere wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch gehen.“

Auch die Programmiersprache Plutus ist auf diesem Wege entstanden.

„Es gibt auch eine Reihe von Veröffentlichungen, die das theoretische Modell hinter Plutus vorstellen und beleuchten und gewisse Eigenschaften beweisen. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass man nicht auch in einem Plutusvertrag einen Bug schreiben kann, aber ich würde schon behaupten, dass es leichter ist, es richtig hinzukriegen als in Solidity. Die Sprache ist eben von Anfang an auf Sicherheit hin entworfen worden. Für viele Sachen kann man sogar automatisch beweisen, dass gewisse schlimme Dinge einfach nicht passieren können.“

Und obwohl Cardano auf den wissenschaftlichen Ansatz setzt, ist alles Open Source:

„Der Code ist für alle einsehbar. Und jetzt gerade bei diesen sogenannten Plutus Pionieren, da haben auch viele Bugs im Code gefunden und dann auch selbst Verbesserungsvorschläge eingereicht. Ich bin überzeugt davon, dass uns da geholfen wird, dass nicht alles von uns kommen muss und dass die Community sich das Tooling so zurecht baut, dass es für alle passt.“

Playground für Programmierer: Marlowe und Glow

Zunächst ging es um die Programmiersprache Marlowe, eine Programmiersprache speziell für finanzielle Verträge. Lars erklärt:

„Für die Experten ist es nicht Turing-complete, d.h. man kann keine beliebigen Programme damit schreiben, insbesondere keine endlos laufenden Verträge. Alles hat eine endliche Zeit. Und es ist sehr viel einfacher als Plutus, es ist so einfach, dass es im Prinzip auch für nicht-Programmierer gedacht ist. In Marlowe Playground z.B. gibt es ein graphisches Tool namens Blockly, da kann man sich einen Marlowe Vertrag aus solchen Blöcken zusammenklicken, wie praktisch bei einem Puzzle und es gibt verschiedene Konstruktionen.“

Damit lassen sich rund 90 Prozent aller Verträge, die es im wirklichen Leben gibt, abdecken.

„Also man kann eine große Menge von üblichen Verträgen in Marlowe abbilden. Das ist sehr mächtig, nicht so mächtig wie Plutus, aber genug um einen Großteil von real-world finanziellen Verträgen abzubilden. Und dann gibt es diese Garantien: Also dass z.B. kein Geld für immer verschwindet, in einem Marlowe Vertrag.“

Zum Cardano-Universum gehört auch die Programmiersprache Glow. Lars sagt über Glow, dass dies eine schöne Programmiersprache ist, die wesentlich sicherer und deklarativer als Solidity sei.

„Momentan läuft Glow auf einer EVM Sidechain. Aber wir planen auch für Glow einen Plutus Compiler zu schreiben, sodass es dann später auch auf Cardano Mainnet laufen könnte. Glow ist zwar nicht Haskell, aber es ist sehr schön und bietet wichtige Features: dass gewisse Dinge einfach nicht schiefgehen können, weil Glow das automatisch abfängt. Es ist aber nicht, anders als Marlowe, auf finanzielle Verträge beschränkt. Das ist mehr General Purpose, für alles Mögliche.“

Cardano in Afrika: Identity

Zu den aktuellen Projekten von Cardano gehört eine Kooperation mit der äthiopischen Regierung zur Zertifizierung von Schulleistungen auf der Blockchain. Und damit das Cardano-Ökosystem voll zum Tragen kommen kann, müssen die Anwender eben über einen Zugang zum Internet verfügen:

„Ich finde es gut, dass wir beispielsweise mit World Mobile zusammenarbeiten. Auch wenn die Blockchain noch so toll ist, wenn man kein Internet hat, hilft das halt nichts.“

Entsprechend unterhält Cardano Partnerschaften mit Firmen, die sich dem innovativen Ausbau des Internets widmen.

Vor zwei Jahren war Lars für zehn Wochen in Äthiopien und hat dort vor Ort einen Programmierkurs für Frauen unterrichtet. Dabei ging es vor allem um Haskell und Plutus.

„Ich bin stolz darauf. Das war damals unser erster Schritt, um Vertrauen mit der äthiopischen Regierung aufzubauen. Den Kurs haben wir im Zusammenhang mit dem Wissenschafts- und Kultusministerium durchgeführt und das hat jetzt letztlich dazu geführt, dass wir diesen Deal mit Äthiopien abgeschlossen haben. Das größte Blockchain Deployment in der Geschichte, mit 5 Millionen Schülern, die Identity auf Cardano bekommen.“

Eigentlich war ein weiterer Kurs im Jahr 2020 in der Mongolei geplant. Aufgrund der Corona-Problematik fand der dann aber im virtuellen Raum statt. Und um weiteren Menschen Plutus näherzubringen, führt Lars Anfang des Jahres 2022 einen Kurs in Ghana statt.

„Hier ist jetzt die Idee, die Kursstärke auf 50 aufzustocken und einen Onlinekurs dazu zu machen. So können sich Menschen hybrid von der ganzen Welt dazuschalten. Außerdem wird ein Teil der Studenten Informatikprofessoren aus Afrika sein.“

Die sollen an ihrer Universität dann die erlernten Sachen unterrichten.

Die nächsten Schritte von Cardano

Die Smart Contracts auf Cardano erwartet die Krypto-Community schon seit längerem mit Spannung.

„Natürlich kann man mathematisch beweisen, dass es nichts auf Ethereum gibt, was es nicht theoretisch auch in unserem Modell auf Cardano geben kann. Es ist einfach nur eine Frage der Zeit.“

Schon bald geht es bei Cardano in Richtung dApps.

„Vielleicht am Anfang noch nicht so sehr komfortabel, aber da wird natürlich auch mit Hochdruck dran gearbeitet. Gerade habe ich in meiner letzten Vorlesung einen UniSwap-Klon in Plutus vorgestellt, den ich programmiert hatte. Solche Sachen werden sehr bald alle möglich sein. Auf Cardano, so wie auch auf Ethereum.“

In der letzten Zeit hat sich Lars vor allem mit Vorlesungen rund um die Programmiersprachen beschäftigt. Ein lustiges Gadget, an dem Charles Hoskinson, Begründer von Cardano, und Lars arbeiten, ist ein Computerspiel:

„Charles ist ja auch ein sehr großer Computerspielfan und er hat jetzt ein Spiel entdeckt, was er aus seiner Kindheit kannte und was ihn fasziniert hatte und was jemand in Haskell implementiert hat. Und da war seine Idee, dass man das doch auch bei Plutus machen könnte. Das ist ein witziges Spiel, wo sich die Regeln ändern. Der Punkt des Spiels ist, dass ein Zug darin besteht, eine Regeländerung vorzuschlagen. Das heißt, das Spiel kann dann mutieren und auch die Voraussetzungen, unter denen man gewinnen kann, können sich ändern.“

Allerdings stehen bei Lars noch weitere Kurse auf dem Programm. Zu Atala Prism soll es im September einen Kurs geben. Dann folgen ein Marlowe-Kus und ein Glow-Kurs.

„Es gibt genug zu tun.“

Eine detaillierte Fundamentalanalyse von Cardano findest du außerdem hier. Sie ist frei zugänglich und dient als Vorführanalyse für alle unsere weiteren Fuchs Inc. Altcoin Fundamentalanalysen.

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