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Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview

von | Jun 12, 2021 | Fachartikel | 0 Kommentare

Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview:

Wir haben mit Nikolaus Jilch, Moderator, Journalist und Speaker aus Wien, gesprochen. Dabei ging es – natürlich – um Bitcoin, aber auch um Merkel, die Eurokrise, Argentinien und die Inflation. Los geht’s!

Wir wünschen viel Spaß bei diesem spannenden Einblick!

Nikolaus erzählt, wie er auf das Thema Bitcoin gekommen ist, und zwar durch die Geschichte des Geldes. In seinen jungen Jahren als Journalist durchlebte Nikolaus die Eurokrise:

„Damals saß Frau Merkel in Brüssel, am ersten Maiwochenende, das war die erste Krisensitzung. Und da sagte Merkel: „Machen Sie sich keine Sorgen. Das Geld ist sicher“. Und daraufhin bin ich total in Panik geraten. Ich habe mir gedacht, wenn die Merkel sagt, dass Geld ist sicher, dann bricht morgen die Hyperinflation aus und wir müssen alle auf den Kartoffelacker. Und bin also zur Bank gelaufen am nächsten Tag und habe dort mein gesamtes Erspartes, da ging es halt um ein paar Tausend Euro. Als junger Journalist hast du nicht viel Geld. Von dem Geld habe ich Gold gekauft. Ohne dass ich mich aber jemals mit dem Thema davor beschäftigt hätte.“

Down The Rabbit Hole

Das war der Beginn von Nikolaus Reise in das Rabbit Hole. Denn danach ging es mit der bekannten Literatur von Hayek und Mises weiter.

„Plötzlich haben die Dinge einen Sinn ergeben.“

Als Journalist fing Nikolaus dann, an sich dem Thema intensiver zu widmen, auch wenn das Thema Geldgeschichte damals weitaus weniger präsent war als heute.

„Ich habe vor dieser ganzen Geschichte mal ein Jahr lang in Argentinien gelebt und da ist ja so der Umgang mit Geld und mit Inflation ein ganz anderer. Und dann bin ich bei meiner journalistischen Arbeit irgendwann über die Bitcoin-Sache gestolpert und habe erstmals 2013 darüber geschrieben.“

Gekauft hat er übrigens auch, aber nicht gehalten.

„Es war nicht viel, mir ging es eher darum es auszuprobieren. Die Wahrheit ist, dass ich eigentlich bis ins Jahr 2020 von der ganzen Sache gar nicht überzeugt war. Meine Überzeugung, dass das jetzt wirklich was ist, das uns erhalten bleiben wird, kam eigentlich erst mit der Coronakrise und mit den neuen Gelddruckprogrammen in der Notenbank. Aber auch, weil Corona die Digitalisierung vorangetrieben hat.“

Zwar verstand Nikolaus die Ökonomie von Bitcoin recht schnell, glaubte aber nicht an Bitcoins Erfolg.

„Und dann 2020 bin ich an dem Punkt gewesen, wo ich gesagt habe, auch wenn es nicht funktionieren wird, ist auch nichts verloren. Dann sind wir im Grunde in demselben Schlamassel, in dem wir vorher waren. Was mich persönlich an Bitcoin am meisten fasziniert ist, dass es ein Aufklärungsprogramm ist. Also das Wissen geht ja nicht verloren, selbst wenn Bitcoin morgen verschwunden ist.“

Das ist so eine Sache mit der Inflation…

Natürlich kommen wir nicht drum herum, auch über das Thema Inflation zu sprechen. Mittlerweile dürften die Auswirkungen dieser auch bei den Otto Normalverbrauchern angekommen sein, Produkte werden immer teurer.

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„Und warum werden die Dinge teurer? Einerseits Basiseffekte: vor einem Jahr gab es halt einen deflationären Schock. Jetzt ist es inflationär. Andererseits gibt es natürlich die Nachfrage. Alle wollen irgendwie gleichzeitig ihr Haus renovieren. Und als Drittes: Wieviel ist gedruckt worden?“

Wenn wir uns Bitcoin angucken, sieht es da mit den Metriken schon besser aus.

„Wenn ich als einziges Interesse im Leben Apple Aktien kaufe, habe ich eine Inflationsrate von etwa 20 % im Jahr. Also die Inflationsrate, die da wieder ausgegeben wird, ist ja nur für die Geldpolitik, um zu messen, ob wir, nach unserer Meinung, einigermaßen in die richtige Richtung gehen. Es hat mit der Lebensrealität sehr wenig zu tun. Ich glaube schon, dass wir jetzt, aus verschiedenen Gründen, die Inflation zum ersten Mal sehen können. Aber wir wissen ja, in der klassischen geldpolitischen Nomenklatur ist alles besser als Deflation, als quasi Kreditdeflation im Geldsystem. Was willst du auch anderes machen? Wenn ich Lagarde wäre, würde ich auch Geld drucken ohne Ende. Die hat ja auch gar keine Wahl.“

Sparen, aber mit den richtigen Assets

Und um sich vor der Inflation zu schützen, sollte man nicht in Geld sparen, führt Nikolaus aus. Zunächst gilt es, das eigene Einkommen jedes Jahr zu erhöhen und dann in den richtigen Assets zu sparen – abgesehen von Bitcoin führt Nikolaus auch Edelmetalle, ETFs und Immobilien an.

„Alle lieben ihre Immobilien, die kosten aber natürlich Nerven, Geld und Zeit. Also ich bin jetzt nicht so ein Fan von Immobilien, aber das ist eher, weil mich das Drumherum nervt. Die Rothschilds haben auch Immobilien gekauft, jede große Dynastie. Immobilien waren immer schon verdammt wichtig für den langfristigen Kapitalaufbau.

 

Ich sage immer was Inflation betrifft, solange wir in einem inflationären Geldsystem leben, kannst du ruhig Angst haben vor der Inflation, dann bist du zumindest aufmerksam und weißt, wer der Gegner ist.“

Die Verbindung zur Realität

„Es beklagen sich ja viele Menschen über die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft. Warum? Wann hat das begonnen? Vor 50 Jahren, mit dem Ende des Goldstandards. Da wurde quasi wirklich die letzte Connection zur Realwirtschaft gekappt und dann kam die große Inflation und heute ist jedes hohe Gebäude in einer Stadt eine Bank. Ein Effekt dieser Financialization of Everything ist eben, dass du in diesen ganzen Märkten, egal ob das Immobilien sind, Edelmetalle, Rohstoffe generell und eben auch Aktienmärkte, hast du so ein nicht näher bestimmbares, aber sehr hohes Store-Value-Premium.“

Um sich vor der Inflation zu schützen, investieren viele Menschen in die Aktien namhafter Unternehmen. Aber auch dort macht die Inflation nicht zwangsläufig Halt vor dem möglichen Gewinn.

„Und da kann Bitcoin helfen eben diese Connection zur Realität wiederherzstellen, indem du ein reines Spar-Asset hast, das ist für mich so der wichtigste Gedanke bei Bitcoin, weil natürlich dieses Store-Value Premium in seiner Größe so gewaltig ist, dass es auch alle Anwendungsfälle vom Ethereum, Cardano, etc komplett pulverisiert, was jetzt die Geldanlagenfrage betrifft. 99,9% der Leute kaufen diese Coins aus Geldanlagegründen und nicht, weil sie die Technologie verstehen.“

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Nun ist das Verständnis der Technologie eine Sache. Doch womit sich Bitcoin-Hodler auch oft befassen, ist welche Zukunft der Alpha-Kryptowährung haben könnte. Denn Regulierungen, Verbote und Adaption ergeben momentan einen Flickenteppich des Chaos.

Bitcoin Verbot: Nicht mehr realistisch

Sollte Bitcoin verboten werden, dürfte das nur wenige Bitcoin-Hodler wirklich stören. Doch momentan sieht es eher danach aus, dass wir einer breitflächigen Adaption entgegengehen.

„Mein Hauptargument ist, solange die USA, also größter und wichtigster Finanzmarkt, nicht dagegen vorgehen, sondern es gewähren lassen, solange kann niemand einen harten Bitcoin Lockdown machen. Denn wenn du in Europa jetzt sagst, „Nee, verbieten wir“, dann schießt du dich einfach komplett raus. Damit sorgst du dafür, dass sich jeder Europäer, der das gut findet, nach Amerika schleicht.“

Wichtig für die weitere Adaption ist auch, ob Banken Bitcoin als Asset oder als Währung einstufen.

„Die Banken sagen, okay, das ist ein Asset, das ist keine Währung. Das heißt aber auch, dass sie sich nicht zuständig fühlen. Das ist schon sehr wichtig.“

Für Nikolaus ist aber durchaus möglich, dass Bitcoin sich langfristig durchsetzen könnte. Zwar kennen wir noch nicht alle Angriffsvektoren, doch werden wir in den nächsten Jahren sicherlich schmunzelnd auf die letzten Jahre als Grundlage für weitere Entwicklungen zurückblicken.

Wir alle sind Hedgefonds Manager

Für Nikolaus steht fest, dass es im Krypto-Bereich noch einige Risiken gibt. Auch er hat schon Geld beim Ausprobieren verschiedener Dinge verloren.

„Die größte Gefahr ist der Mensch und die Psyche und die Gier und die Angst und die Gefühle. Und es ist wahnsinnig befriedigend, seine Gelddinge selbst in die Hand zu nehmen. Aber es ist ein wahnsinnig schwieriger Lernprozess und wenn du alles verlierst, bevor du den Lernprozess abgeschlossen hast, dann hast du nichts davon.“

Investieren – und vor allem Traden – möchte gelernt sein. Alle, die erfahrungslos in den Krypto-Markt gestartet sind, haben ihr Lehrgeld auf die ein oder andere Weise gezahlt.

„Und ich weiß, dass man da gerne auf den FOMO Knopf drückt. Gerade die Kryptowelt, wo du dich dann einloggst und deine Finance Oberfläche hast und dir vorkommst wie ein Hedgefond Manager. Die dir das Gefühl vermittelt: Du bist jetzt hier der Boss und du hast die Dinge jetzt selbst in der Hand. Und ich glaube, dass das ein trügerisches Gefühl ist. Beispiel: Ray Dalio sagt, er mag Bitcoin doch nicht. Ah, um Gottes Willen was ist passiert? Also verkaufen, verkaufen.“

Außerdem spricht Nikolaus davon, dass die Sypercyclen für ihn Blasen sind, die eines Tages platzen müssen.

„Am Ende des Tages sind diese Blasen menschliche Psychologie. Deswegen gehe ich, genauso wie viele andere, davon aus, dass du am Ende natürlich wieder die Blase hast. Und dann wird die Blase platzen und du bist nichts. It is not going to go up in a straight line. So funktioniert auch die Natur nicht. Die Gier wird zu groß und aus der Gier wird die Panik. Abgesehen davon, dass natürlich im Kryptomarkt viel manipuliert wird und natürlich Whales und Insitutionen usw. sich einen Spaß daraus machen, den Preis in die eine oder andere Richtung zu prügeln. Da bist du als kleiner Anleger am besten aufgehoben bzw. du fährst eigentlich in allen Märkten, egal ob das Bitcoin, Gold, Aktien, Immobilien, alles was sozusagen nicht inflationär vermehrbar ist, besser mit einer klassischen Buy-and-hold Strategie.“

Vielen Dank, Nikolaus!

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