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Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview

Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview

Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview

Vom Rabbit Hole zum Sparen mit den richtigen Assets. Aber welche sind das nur? Nikolaus Jilch im Interview:

Wir haben mit Nikolaus Jilch, Moderator, Journalist und Speaker aus Wien, gesprochen. Dabei ging es – natürlich – um Bitcoin, aber auch um Merkel, die Eurokrise, Argentinien und die Inflation. Los geht’s!

Wir wünschen viel Spaß bei diesem spannenden Einblick!

Nikolaus erzählt, wie er auf das Thema Bitcoin gekommen ist, und zwar durch die Geschichte des Geldes. In seinen jungen Jahren als Journalist durchlebte Nikolaus die Eurokrise:

„Damals saß Frau Merkel in Brüssel, am ersten Maiwochenende, das war die erste Krisensitzung. Und da sagte Merkel: „Machen Sie sich keine Sorgen. Das Geld ist sicher“. Und daraufhin bin ich total in Panik geraten. Ich habe mir gedacht, wenn die Merkel sagt, dass Geld ist sicher, dann bricht morgen die Hyperinflation aus und wir müssen alle auf den Kartoffelacker. Und bin also zur Bank gelaufen am nächsten Tag und habe dort mein gesamtes Erspartes, da ging es halt um ein paar Tausend Euro. Als junger Journalist hast du nicht viel Geld. Von dem Geld habe ich Gold gekauft. Ohne dass ich mich aber jemals mit dem Thema davor beschäftigt hätte.“

Down The Rabbit Hole

Das war der Beginn von Nikolaus Reise in das Rabbit Hole. Denn danach ging es mit der bekannten Literatur von Hayek und Mises weiter.

„Plötzlich haben die Dinge einen Sinn ergeben.“

Als Journalist fing Nikolaus dann, an sich dem Thema intensiver zu widmen, auch wenn das Thema Geldgeschichte damals weitaus weniger präsent war als heute.

„Ich habe vor dieser ganzen Geschichte mal ein Jahr lang in Argentinien gelebt und da ist ja so der Umgang mit Geld und mit Inflation ein ganz anderer. Und dann bin ich bei meiner journalistischen Arbeit irgendwann über die Bitcoin-Sache gestolpert und habe erstmals 2013 darüber geschrieben.“

Gekauft hat er übrigens auch, aber nicht gehalten.

„Es war nicht viel, mir ging es eher darum es auszuprobieren. Die Wahrheit ist, dass ich eigentlich bis ins Jahr 2020 von der ganzen Sache gar nicht überzeugt war. Meine Überzeugung, dass das jetzt wirklich was ist, das uns erhalten bleiben wird, kam eigentlich erst mit der Coronakrise und mit den neuen Gelddruckprogrammen in der Notenbank. Aber auch, weil Corona die Digitalisierung vorangetrieben hat.“

Zwar verstand Nikolaus die Ökonomie von Bitcoin recht schnell, glaubte aber nicht an Bitcoins Erfolg.

„Und dann 2020 bin ich an dem Punkt gewesen, wo ich gesagt habe, auch wenn es nicht funktionieren wird, ist auch nichts verloren. Dann sind wir im Grunde in demselben Schlamassel, in dem wir vorher waren. Was mich persönlich an Bitcoin am meisten fasziniert ist, dass es ein Aufklärungsprogramm ist. Also das Wissen geht ja nicht verloren, selbst wenn Bitcoin morgen verschwunden ist.“

Das ist so eine Sache mit der Inflation…

Natürlich kommen wir nicht drum herum, auch über das Thema Inflation zu sprechen. Mittlerweile dürften die Auswirkungen dieser auch bei den Otto Normalverbrauchern angekommen sein, Produkte werden immer teurer.

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„Und warum werden die Dinge teurer? Einerseits Basiseffekte: vor einem Jahr gab es halt einen deflationären Schock. Jetzt ist es inflationär. Andererseits gibt es natürlich die Nachfrage. Alle wollen irgendwie gleichzeitig ihr Haus renovieren. Und als Drittes: Wieviel ist gedruckt worden?“

Wenn wir uns Bitcoin angucken, sieht es da mit den Metriken schon besser aus.

„Wenn ich als einziges Interesse im Leben Apple Aktien kaufe, habe ich eine Inflationsrate von etwa 20 % im Jahr. Also die Inflationsrate, die da wieder ausgegeben wird, ist ja nur für die Geldpolitik, um zu messen, ob wir, nach unserer Meinung, einigermaßen in die richtige Richtung gehen. Es hat mit der Lebensrealität sehr wenig zu tun. Ich glaube schon, dass wir jetzt, aus verschiedenen Gründen, die Inflation zum ersten Mal sehen können. Aber wir wissen ja, in der klassischen geldpolitischen Nomenklatur ist alles besser als Deflation, als quasi Kreditdeflation im Geldsystem. Was willst du auch anderes machen? Wenn ich Lagarde wäre, würde ich auch Geld drucken ohne Ende. Die hat ja auch gar keine Wahl.“

Sparen, aber mit den richtigen Assets

Und um sich vor der Inflation zu schützen, sollte man nicht in Geld sparen, führt Nikolaus aus. Zunächst gilt es, das eigene Einkommen jedes Jahr zu erhöhen und dann in den richtigen Assets zu sparen – abgesehen von Bitcoin führt Nikolaus auch Edelmetalle, ETFs und Immobilien an.

„Alle lieben ihre Immobilien, die kosten aber natürlich Nerven, Geld und Zeit. Also ich bin jetzt nicht so ein Fan von Immobilien, aber das ist eher, weil mich das Drumherum nervt. Die Rothschilds haben auch Immobilien gekauft, jede große Dynastie. Immobilien waren immer schon verdammt wichtig für den langfristigen Kapitalaufbau.

 

Ich sage immer was Inflation betrifft, solange wir in einem inflationären Geldsystem leben, kannst du ruhig Angst haben vor der Inflation, dann bist du zumindest aufmerksam und weißt, wer der Gegner ist.“

Die Verbindung zur Realität

„Es beklagen sich ja viele Menschen über die Loslösung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft. Warum? Wann hat das begonnen? Vor 50 Jahren, mit dem Ende des Goldstandards. Da wurde quasi wirklich die letzte Connection zur Realwirtschaft gekappt und dann kam die große Inflation und heute ist jedes hohe Gebäude in einer Stadt eine Bank. Ein Effekt dieser Financialization of Everything ist eben, dass du in diesen ganzen Märkten, egal ob das Immobilien sind, Edelmetalle, Rohstoffe generell und eben auch Aktienmärkte, hast du so ein nicht näher bestimmbares, aber sehr hohes Store-Value-Premium.“

Um sich vor der Inflation zu schützen, investieren viele Menschen in die Aktien namhafter Unternehmen. Aber auch dort macht die Inflation nicht zwangsläufig Halt vor dem möglichen Gewinn.

„Und da kann Bitcoin helfen eben diese Connection zur Realität wiederherzstellen, indem du ein reines Spar-Asset hast, das ist für mich so der wichtigste Gedanke bei Bitcoin, weil natürlich dieses Store-Value Premium in seiner Größe so gewaltig ist, dass es auch alle Anwendungsfälle vom Ethereum, Cardano, etc komplett pulverisiert, was jetzt die Geldanlagenfrage betrifft. 99,9% der Leute kaufen diese Coins aus Geldanlagegründen und nicht, weil sie die Technologie verstehen.“

Unsere Fuchs Inc. Altcoin Analysen helfen dir dabei, zu den 0,1% zu gehören, die die Anwendung und Technolgie hinter den Projekten verstehen:

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Nun ist das Verständnis der Technologie eine Sache. Doch womit sich Bitcoin-Hodler auch oft befassen, ist welche Zukunft der Alpha-Kryptowährung haben könnte. Denn Regulierungen, Verbote und Adaption ergeben momentan einen Flickenteppich des Chaos.

Bitcoin Verbot: Nicht mehr realistisch

Sollte Bitcoin verboten werden, dürfte das nur wenige Bitcoin-Hodler wirklich stören. Doch momentan sieht es eher danach aus, dass wir einer breitflächigen Adaption entgegengehen.

„Mein Hauptargument ist, solange die USA, also größter und wichtigster Finanzmarkt, nicht dagegen vorgehen, sondern es gewähren lassen, solange kann niemand einen harten Bitcoin Lockdown machen. Denn wenn du in Europa jetzt sagst, „Nee, verbieten wir“, dann schießt du dich einfach komplett raus. Damit sorgst du dafür, dass sich jeder Europäer, der das gut findet, nach Amerika schleicht.“

Wichtig für die weitere Adaption ist auch, ob Banken Bitcoin als Asset oder als Währung einstufen.

„Die Banken sagen, okay, das ist ein Asset, das ist keine Währung. Das heißt aber auch, dass sie sich nicht zuständig fühlen. Das ist schon sehr wichtig.“

Für Nikolaus ist aber durchaus möglich, dass Bitcoin sich langfristig durchsetzen könnte. Zwar kennen wir noch nicht alle Angriffsvektoren, doch werden wir in den nächsten Jahren sicherlich schmunzelnd auf die letzten Jahre als Grundlage für weitere Entwicklungen zurückblicken.

Wir alle sind Hedgefonds Manager

Für Nikolaus steht fest, dass es im Krypto-Bereich noch einige Risiken gibt. Auch er hat schon Geld beim Ausprobieren verschiedener Dinge verloren.

„Die größte Gefahr ist der Mensch und die Psyche und die Gier und die Angst und die Gefühle. Und es ist wahnsinnig befriedigend, seine Gelddinge selbst in die Hand zu nehmen. Aber es ist ein wahnsinnig schwieriger Lernprozess und wenn du alles verlierst, bevor du den Lernprozess abgeschlossen hast, dann hast du nichts davon.“

Investieren – und vor allem Traden – möchte gelernt sein. Alle, die erfahrungslos in den Krypto-Markt gestartet sind, haben ihr Lehrgeld auf die ein oder andere Weise gezahlt.

„Und ich weiß, dass man da gerne auf den FOMO Knopf drückt. Gerade die Kryptowelt, wo du dich dann einloggst und deine Finance Oberfläche hast und dir vorkommst wie ein Hedgefond Manager. Die dir das Gefühl vermittelt: Du bist jetzt hier der Boss und du hast die Dinge jetzt selbst in der Hand. Und ich glaube, dass das ein trügerisches Gefühl ist. Beispiel: Ray Dalio sagt, er mag Bitcoin doch nicht. Ah, um Gottes Willen was ist passiert? Also verkaufen, verkaufen.“

Außerdem spricht Nikolaus davon, dass die Sypercyclen für ihn Blasen sind, die eines Tages platzen müssen.

„Am Ende des Tages sind diese Blasen menschliche Psychologie. Deswegen gehe ich, genauso wie viele andere, davon aus, dass du am Ende natürlich wieder die Blase hast. Und dann wird die Blase platzen und du bist nichts. It is not going to go up in a straight line. So funktioniert auch die Natur nicht. Die Gier wird zu groß und aus der Gier wird die Panik. Abgesehen davon, dass natürlich im Kryptomarkt viel manipuliert wird und natürlich Whales und Insitutionen usw. sich einen Spaß daraus machen, den Preis in die eine oder andere Richtung zu prügeln. Da bist du als kleiner Anleger am besten aufgehoben bzw. du fährst eigentlich in allen Märkten, egal ob das Bitcoin, Gold, Aktien, Immobilien, alles was sozusagen nicht inflationär vermehrbar ist, besser mit einer klassischen Buy-and-hold Strategie.“

Vielen Dank, Nikolaus!

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Marktreport 30. April 2021

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Inflation ist da – Bitcoin trotz starker Entwicklung noch immer unter dem Radar

Lieber Leser, liebe Leserin,

in der April-Ausgabe des monatlichen Reports betrachten wir heute ein paar interessante Entwicklungen in sowohl Bitcoin als auch Wirtschaft und Kapitalmärkten allgemein. Bitcoin ist in den vergangenen Wochen und Monaten zwar stark im Preis gestiegen, läuft aber gefühlt für den Otto Normalverbraucher weiterhin unter dem Radar. Firmen und teils auch Staaten hingegen erkennen immer mehr, das Bitcoin nicht einfach wieder verschwinden wird. Sie suchen nach Wegen, smart von der Entwicklung der Kryptowährung zu profitieren. Welche Entwicklungen uns dort noch erwarten und wieso dies für die bröckelnde Wirtschaft wichtig wird, darüber schreibe ich im heutigen Beitrag.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen des Reports!

Inflation macht sich bemerkbar

Wir reden bereits seit Anbeginn unseres ersten Newsletters sehr häufig darüber, dass die Inflation eher früher als später ihre hässliche Fratze zeigen wird. Die historisch ungesehene Menge an Währung, die tagtäglich von den größten Zentralbanken aus dem Nichts erschaffen und durch Corona gerechtfertigt werden, beginnen langsam, ihren Tribut zu zollen.

Wie in einigen Beiträgen bereits erwähnt, erscheint die Inflation nicht einfach unvorbereitet aus dem Nichts. Sie begleitet uns schon eine ganze Weile, konnte sich aber bisher recht erfolgreich im Aktien- und Immobilienmarkt vor den Augen des Durchschnittsinvestors verstecken. Es scheint, als käme diese Periode langsam zu einem Ende, wie insbesondere der Markt für Baustoffe zeigt. Immer mehr Händler und Kunden klagen teils über hohe Preise oder nicht verfügbar Produkte. Allein der Preis von Bauholz ist in weniger als einem Jahr von rund $300 auf über $1.000 gestiegen. Auch wenn hier und da behauptet wird, dass die Corona-„Pandiemie“ die Ursache für diese Entwicklung ist, ist dieser Faktor lediglich eine Verstärkung der bereits vorhandenen Problematik. Das Corona-Dilemma trägt bestimmt ihren Teil dazu bei, verursacht hat es diese Problematik jedoch nicht. Der Fehler liegt im Geldsystem, dass durch seine Beschaffenheit Anreize setzt, unendlich viel Währung ohne Gegenwert zu erschaffen, somit die Zukunft beleiht und die Wirtschaft in den Abgrund druckt.

Verlassen wir die Welt der Baustoffe, in der Bauholz nur eines von vielen inflationsgebeutelten Produkten ist. Auch aus dem Nahrungsmittelbereich häufen sich die Berichte, dass der Einkauf gefühlt teurer geworden ist. Und spätestens an dieser Stelle sollte man hellhörig werden, denn was langsam anfängt, kann sich exponentiell entwickeln. Es ist zwar hart zu sagen, aber wer die Augen vor der Inflation verschließt und keine entsprechenden Gegenmaßnahmen trifft, wird schwer mit den Folgen zu kämpfen haben.

Schlechter bevor es besser wird

Zwar ziehen die Einschränkungen, bedingt durch die Corona Maßnahmen, augenscheinlich langsam Richtung Ende, doch eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Die bereits entstandenen Schäden in der Wirtschaft haben teils tiefe Spuren hinterlassen und lassen sich nicht so einfach durch Click, Test and Meet wieder korrigieren. Insbesondere bestimmte Branchen wie Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und weitere leben zu großen Teilen nur noch von der Unterstützung des „Staates“. Und speziell die noch aktive Insolvenzantragspflicht, die bereits heute ausläuft, dürfte die Lage positiver darstellen, als sie ist.

Kapitalmärkte sind Augenwischerei

Ein schneller, oberflächlicher Blick auf die Kapitalmärkte trägt leider auch nicht zu einer realistischen Einschätzung der Lage bei. Egal, ob wir nach Deutschland oder die USA oder sonst eine entwickelte Nation schauen, quasi überall sind die Märkte weiterhin auf Höchstständen. Und das trotz Pandemie. Es fordert uns nicht mehr als 2 bis 3 Gedankengänge und es sollte uns klar werden, dass das irgendwie nicht hinhauen kann. Überall geschlossene Läden, überall Einschränkungen, ganze Industrien kurz vor dem total Knock-Out – aber die Aktien- und Immobilienmärkte steigen weiter. Wie geht das? Die Antwort darauf ist recht leicht und besteht lediglich aus den Komponenten Gelddrucken und politische Markteingriffe.

Warum lassen sich Gold und Silber so bitten?

Diese Frage dürfte insbesondere langjährige Edelmetallverfechter ganz schön umtreiben. Speziell die sogenannten Goldbugs prophezeien seit vielen Jahren, dass das Schuldgeldsystem zum Scheitern verurteilt ist und predigen Gold als Alternative. Und das an sich auch zu Recht, denn Gold ist seit tausenden von Jahren im Wert stabil und war lange Zeit das beste Geld, das dem Menschen zur Verfügung stand. Umso merkwürdiger scheint es, dass im Zuge der nun doch rasant an Fahrt aufnehmenden Inflation die Preise von Gold und Silber aktuell eher seitwärts verlaufen. Ich sehe für diese Verhalten zwei Gründe:

1. Noch ist die Lage nicht sehr offensichtlich. Die Inflation beginnt sich, wie oben beschrieben, in den ersten Sektoren zu zeigen, schwebt für viele jedoch noch unter dem Radar. Besonders das ewige Beteuern der Zentralbanken, dass sie verzweifelt versuchen ihr Inflationsziel zu erreichen, dürfte dazu beitragen, dass ein Großteil davon noch nicht so richtig Wind bekommen hat. Passend zu dieser Einschätzung präsentieren sich auch die jeweiligen Charts von Gold und Silber, die aus charttechnischer Sicht aktuell viel Potenzial nach oben zeigen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass ein Ausbruch bevorsteht, der wohl größtenteils durch die Inflationsentwicklung bedingt sein wird.

2. Auch wenn es einige Goldverfechter nicht hören wollen: Es gibt mittlerweile besseres Geld, und zwar in Form von Bitcoin. Ich schreibe über dieses Thema ausführlich in unsere Wirtschafts- und Kryptoschule, doch an dieser Stelle sei bloß gesagt, dass Geld im Grunde ein Konstrukt ist, welches vom Gut Gold über eine lange Zeit gut abgebildet wurde. Bitcoin hingegen erfüllt die Anforderungen des Konstruktes Geld an das zu verwendende Gut besser als Gold, wodurch der Zusatzwert, den Gold durch seine Funktion als Geld erhält, zunehmenden zu Bitcoin wandert. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Gold sofort abgeschrieben ist, langfristig ist es jedoch nur logisch, dass Bitcoin sich gegen Gold als Geld durchsetzen wird.

Bitcoin ist zunehmend salonfähig

Auch hier läuft ein Großteil der Entwicklung für den normalen Bürger vollkommen unter dem Radar. Bitcoin hat neben der extrem starken Preisentwicklung in den vergangen Wochen so enorm viele Dinge erreicht, dass jedem, der sich genauer damit beschäftigt, schwindelig werden sollte. Wir sehen immer mehr Unternehmen Bitcoin in jeglichen Formen verwenden, sei es als Store of Value (Microstrategy, Tesla), Zahlungmittel (Paypal, Visa) oder Investmentvehikel (Steigende Zahl an Finanzprodukten wie

ETFs). Auch einstige Erzfeinde Bitcoins haben ihren Ton komplett geändert und beginnen, Bitcoin in ihr Geschäft zu integrieren und es ihren Kunden anzubieten (JP Morgan, Goldman Sachs usw.). Und auch der Börsengang von Coinbase, einer der größten Kryptobörsen überhaupt, ist ein wegweisendes Ereignis gewesen. Mit einer Bewertung von rund  100 Mrd. US-Dollar war dies der größte IPO in der Geschichte (Mglw. nicht, wenn man das Ganze von der Inflation bereinigt.) Wer aktuell immer noch glaubt, dass Bitcoin einfach wieder verschwindet oder reine Spekulation ist, hat den Knall scheinbar noch nicht gehört. 

Kryptomarkt wird insgesamt attraktiver

Die rasante Entwicklung von Bitcoin endet allerdings nicht dort. Auch der Altcoin Markt hat in den vergangenen Wochen sehr viel an Fahrt aufgenommen. Selbst einige große Projekte konnten teils immense Gewinne erzielen und es breitet sich wieder eine generelle Hype-Stimmung in der Kryptowelt aus. Nachdem zuerst Decentralised Finance seinen ersten Boom erzielt hatte und kurz darauf NFTs starkt in den Fokus rückten, scheint die Euphorie sich nun wieder im gesamten Kryptomarkt auszubreiten. Doch wie immer gilt es auch hier zu beachten, dass Chance und Risiko nah beieinander liegen. 2018 hat viele Investoren gelehrt, dass Altcoins nicht nur extrem steigen, sondern auch extrem sinken können. Und insbesondere nach starken Aufwärtstrends ist es definitiv nicht auszuschließen, dass wir solch eine Entwicklung erneut sehen. Wer sich also mit Altcoins beschäftigt, sollte stets wissen, was er tut und die Entwicklung akribisch beobachten. Zur besseren Einschätzung diverser Projekte stehen unseren Pro- und Expert-Mitglieder eine ständig wachsende Zahl an Altcoin Analysen zur Verfügung.

Der April, der April…

der macht, was er will. So oder so ähnlich sah auch die Bitcoin Preisentwicklung in diesem Monat aus und hat sicher den ein oder anderen etwas unruhig gestimmt. Betrachtet man jedoch die fundamentale Entwicklung von Wirtschaft, Bitcoin und Kryptomarkt, sollte deutlich werden, dass die kurzfristig einsetzende Angst nicht wirklich begründet ist. Auch unsere Vorhersagemodelle und unsere künstliche Investment Intelligenz sprechen eine klare Sprache, wenn es um die zukünftige Entwicklung von Bitcoin geht. Wir können zeitlich begrenzte Korrekturen weiterhin gelassen sehen und uns sollte vielmehr klar werden, dass Bitcoin eine einmalige Chance für sowohl den Einzelnen als auch die gesamte Gesellschaft ist und wie dankbar sein können, dies mitzuerleben.

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Start in den Mai und einen angenehmen Feiertag,

Marc Fuchs

 

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Während Binance unter Beschuss steht, plant Square und Twitter CEO Jack Dorsey eine Bitcoin-basierte DeFi-Plattform plus Bitcoin Hardware Wallet. Außerdem äußert sich die Europäische Zentralbank zu den Plänen für den digitalen Euro.

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Chefökonom Thorsten Polleit im Interview

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Dr. Thorsten Polleit ist Chefökonom von Degussa und Honorarprofessor an der Universität Bayreuth. Er befasst sich tagtäglich mit der Finanz- und Realwirtschaft. Weil es auch bei uns Tag ein Tag aus um Finanzen und Wirtschaft geht, möchten wir euch ein wenig mehr aus dem Universum des Gründers der deutschen Abteilung des libertären Ludwig von Mises Institute näherbringen.

Um selbstverantwortlich zu agieren, bedarf es einem großen Umfang an unterschiedlichsten Informationen und Sichtweisen. Und das Wirtschaftsfuchs-Team präsentiert euch hiermit eine weitere Facette dieses spannenden Bereichs.

Eigenverantwortung auf der Basis des Interventionismus

Im Zuge der Corona-Krise konnten wir eine verstärkte Tendenz zu einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel geben. Immer mehr Menschen erkannten durch die teilweise fragwürdigen staatlichen Maßnahmen, dass der „Hilfsbringer“ Staat möglicherweise nicht die gewünschte Hilfe bringen könnte. Stattdessen ging es in großen Schritten weiter mit dem tiefgreifenden, globalen Wandel. Thorsten, warum wird es einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel geben und wie wird er deiner Meinung nach aussehen?

„Kollektivistische-sozialistische Ideen in Wirtschaft und Gesellschaft sind auf dem Vormarsch. Die Besorgnis über den Klimawandel sowie auch die Ausbreitung des Coronavirus hat diese Tendenz beschleunigt. Immer mehr Menschen scheinen dabei im Staat die Lösung zu erblicken, nicht im System der freien Märkte. Marktfeindlichen Kräfte gelingt es vielmehr, das System der freien Märkte als Ursache von Missständen – wie Finanz- und Wirtschaftskrisen, Einkommensungleichheit, Altersarmut und Umweltprobleme – falscherweise zu diskreditieren. Dass es der Staat ist, der die zu recht kritisierten Probleme verursacht, wird übersehen oder verschwiegen.“

Thorsten erklärt, dass die Volkswirtschaften dies- und jenseits kein System freier Märkte, keinen „Kapitalismus“, sondern einen Interventionismus fahren:

„Das heißt, der Staat greift fallweise in Wirtschaft und Gesellschaft ein. Kein Bereich bleibt vor ihm verschont: Ausbildung (Schule, Universität), Kranken- und Rentenversicherung, Gesundheit, Transport, Recht und Sicherheit, Geld und Kredit – überall ist der Staat zum dominanten Akteur aufgestiegen. Ökonomisch ist einsehbar, wohin der Interventionismus führt, wenn die Volkswirtschaften sich nicht von ihm abkehren: Der Staat wird übermächtig. Bestenfalls entsteht so etwas wie eine Befehls- und Lenkungswirtschaft.“

In dieser Version belässt der Staat formal das Eigentum, schränkt aber die Möglichkeiten der Eigentümer, über ihr Eigentum frei verfügen zu können, immer weiter ein, erläutert Thorsten.

„Schlimmstenfalls kommt es zum Sozialismus: Der Staat enteignet die Eigentümer. Beide Entwicklungspfade sind verheerend für Freiheit und Wohlstand der Menschen. Daher ist zu hoffen, dass die Menschen doch noch umdenken und umlenken, dass sie erkennen, dass nur das System der freien Märkte ihnen Freiheit und Wohlstand geben kann.“

Vielen Menschen ist gar nicht klar, dass auf dem Label „Antikapitalismus“, „Kapitalismus“ und „Sozialismus“ gar nicht (mehr) das drinsteckt, was sie erwarten. Das macht oftmals das tiefergehende Verständnis politischer Entwicklungen schwierig.

Weitere Informationen dazu gibt es auch in Thorsten Polleits Buch „Der Antikapitalist“.

Die kollektive Korruption

Wie Marc in unseren monatlichen Marktreports und wöchentlichen Marktupdates immer wieder erörtert, sollen Stimuli und weitere finanzielle (Gelddruck-) Maßnahmen die hinkende Wirtschaft am Leben erhalten. Wie lange geht das noch so weiter?

„So kritisch man das Fiat-Geldsystem, in dem die Zentralbanken die entscheidende Rolle spielen, auch sehen mag: Man sollte nicht dessen Selbsterhaltungskräfte unterschätzen. Viele Menschen befürworten, dass das Fiat-Geldsystem fortgeführt wird, weil sie glauben, es sei „alternativlos“, oder weil sie meinen, das Fortführen des Fiat-Geldsystems stelle sie besser als seine Beendigung. Ich spreche in diesem Zusammenhang auch von einer „Kollektiven Korruption“. Damit meine ich, dass das Fiat-Geldsystem viele Menschen sprichwörtlich abhängig gemacht hat. Man denke nur einmal an die vielen, die vom Staat bezahlt werden, denen der Staat Arbeitsplätze gewährt oder an die er Aufträge vergibt, an Pensionäre, denen er den Lebensunterhalt auszahlt.“

  

Thorsten führt weiter aus, dass diese Unterstützerschaft den Regierungen und Zentralbanken große Spielräume gibt, das Fiat-Geldsystem über Wasser zu halten.“

„Der Widerstand der Öffentlichkeit ist im Zuge der politisch diktierten Lockdown-Krise noch weiter geschwunden. Denn die Zentralbanken finanzieren nicht mehr nur die Banken mit neuem Geld, sondern sie sind dazu übergegangen, auch die breite Bevölkerung an der Geldmengenvermehrung teilhaben zu lassen, etwa in Form von „Paychecks“ und Kurzarbeitergeld. Das verringert den Protest gegen das Vordringen des Staates, selbst wenn es Betriebe und Arbeitsplätze schädigt oder gar zerstört. Ich fürchte, es kann länger so weitergehen, als viele meinen: Das Szenario eines „Schrecken ohne Ende“ scheint mir zunächst wahrscheinlicher zu sein als das eines „Ende mit Schrecken“.

Klar ist, dass wir Zeuge einer spannenden Entwicklung sind, die höchstwahrscheinlich tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen wird.

Sind wir auf dem Weg in die Planwirtschaft?

Für den Otto Normalverbraucher ist die Krise mit ihren Auswirkungen kaum greifbar. Viel zu verworren und irreführend sind Informationen und das dahinterstehende System. Umso schwieriger ist es also abzuschätzen, wie Politik und Banken in naher Zukunft agieren werden. Thorsten schätzt die Situation wie folgt ein:

„Spätestens mit der Lockdown-Krise ab Frühjahr 2020 ist eine Situation entstanden, die man als „Fiscal Dominance“ bezeichnet: Die Geldpolitik muss sich mehr denn je den Finanzierungswünschen der Staaten beugen. Dadurch verlieren die Zentralbanken die Hoheit über die Geldmenge. Zudem wird der Bankensektor liquide gehalten, er wird bis auf weiteres Kredite zu Vorzugskonditionen erhalten. Die verstärkte Geldmengenausweitung wird sich aus meiner Sicht beschleunigen im Vergleich zu den Vorjahren. Und das wird auch die Inflationierung der Konsumgüter und Vermögensgüter wie zum Beispiel Aktien- und Häuserpreise in die Höhe treiben.“

Und eine Tendenz, die wir seit Beginn der Corona-Krise alle im Alltag gesehen haben, ist die Abschaffung des Bargeldes. Kartenzahlung wurde in vielen Geschäften bevorzugt, offizielle Verantwortliche riefen zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr durch den Verzicht auf den Austausch von Bargeld auf.

„Die viel Zentralbanken arbeiten daran, elektronisches Zentralbankgeld für jedermann auszugeben. Das wird weitreichende Folgen haben. Dem Bargeld geht es dann an den Kragen. Es wird wohl eine 1:1 Eintauschmöglichkeit von Bargeld und Bankdepositen in digitales Zentralbankgeld geben. Dadurch „versichert“ die Zentralbank Verbindlichkeiten der Banken. Die bereinigenden Marktkräfte werden dadurch ausgeschaltet, Investoren und Sparer müssen keine Zahlungsausfallrisiken bei Banken mehr befürchten. Das wenige, was von der freien Marktwirtschaft noch übrig ist, wird dann auch noch durch Planwirtschaft ersetzt.“

Und für einige vielleicht wichtig zu beachten: Die Anonymität, die mit Bargeld einhergeht, ist möglicherweise ein Privileg aus der Vergangenheit.

Territorialer Zwangsmonopolismus

Werden wir eine Zentralisierung des Bankwesens über die Zentralbanken sehen? Und falls ja, was passiert mit den Geschäftsbanken?

„Die Daten bis 2019 zeigen eine eindeutige Konzentration im Euro-Bankgeschäft: Von 2014 bis 2019 stieg der Marktanteil der fünf größten Banken von etwa 60 Prozent auf gut 65 Prozent. Dieser Trend nimmt vermutlich weiter zu, weil kleinere und mittlere Banken es immer schwerer haben werden, zu überleben. Das liegt an schrumpfenden Zinsspannen, aber auch an den steigenden regulatorischen Kosten, die die kleineren Banken stärker belasten als Großbanken. So gesehen befördert die EZB-Geldpolitik den Konzentrationsprozess im Bankensektor.“

Thorsten führt aus, wie diese Entwicklung ein weiteres Indiz für die Etablierung der Planwirtschaft ist:

„Solange der Staat, wie wir ihn heute kennen – als territorialer Zwangsmonopolist mit der Letztentscheidungsmacht über alle Konflikte auf seinem Gebiet –, das Sagen hat, wird der Bankensektor „gerettet“, im Notfall auch verstaatlicht. Das ist beispielweise möglich, indem die Staaten sich bei den Zentralbanken verschulden, dadurch neues Geld aus dem Nichts erhalten und es als Eigenkapital in die Banken einzahlen. Das wäre ein weiterer großer Schritt in Richtung Planwirtschaft, in der Wohlstand und Freiheit der Menschen unter die Räder kommen.“

Kein Interview ohne Bitcoin

Während Gold über viele Generationen ein großartiger Wertspeicher war, wird nun Bitcoin als „digitales Gold“, also neuen Wertspeicher gehandelt. Natürlich gibt es dahingehend Differenzen und deswegen die Frage: Welchen Vorteil hat Gold gegenüber Bitcoin?

„Ich bezeichne das Gold als das „Grundgeld der Menschheit“. Diese Stellung hat es seit ungefähr 5.000 Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Papierwährungen kamen und gingen. Gold bleibt. In den frühen 1970er Jahren haben die Staaten das Gold zwar offiziell „demonetisiert“. Doch nach wie vor ist das Gold aus der Sicht vieler Menschen auf dem Global das „ultimative Zahlungsmittel“ geblieben. Gold hat alle Eigenschaften, die „gutes Geld“ haben muss. Gold ist kein perfektes Geld, wenn es so etwas überhaupt geben kann. Aber bisher gibt es kein Medium, dass sich in allen Eigenschaften als überlegen herausgestellt hätte.“

Thorsten erklärt, dass auch Bitcoin und andere Kryptowährungen um die Geldfunktion konkurrieren:

„Und für einige Zahlungsbereiche hat sich der Bitcoin vermutlich bereits fest etabliert. Aber das heißt noch nicht zwangsläufig, dass er auch zum Geld – zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel – aufsteigen wird. Einen Vorteil des Goldes gegenüber Kryptoeinheiten will ich an dieser Stelle nennen: Eine Kryptoeinheit kennt nur eine Nachfrage: die Nachfrage zu Geldzwecken. Edelmetalle werden hingegen nicht nur zu Geldzwecken, sondern auch zu industriellen Zwecken nachgefragt. Der Wert einer Kryptoeinheit kann möglicherweise auf null fallen – beispielsweise dann, wenn eine neue, eine in wichtigen Eigenschaften bessere Kryptoeinheit auf den Markt kommt. Dass Gold zum Totalverlust wird, ist nahezu ausgeschlossen, weil es stets eine nicht-monetäre Nachfrage hat.“

Aus geldtheoretischer Sicht: Kann man glaubhaft abstreiten, dass Bitcoin das beste Geld ist, das es jemals gab?

„Was im Zuge der geldtheoretischen Überlegungen mit Blick auf Bitcoin und Co. häufig übersehen wird, ist die sogenannte „Intermediationsfähigkeit“ des Geldes. Damit ist gemeint, dass in einer entwickelten Volkswirtschaft das Geld nicht auf Peer-to-Peer-Transaktionen beschränkt sein kann. Schon heute zeigt sich, dass viele Menschen beispielsweise ihre Bitcoins bei Handelsplattformen halten. Es gibt offensichtlich auch im Markt für Kryptoeinheiten eine Nachfrage nach Intermediationsdiensten wie Lagerung, Sicherung und Zahlungsabwicklung.“

Thorsten führt aus, dass in diesem Falle der DeFi-Markt zwar bereits einige Alternativen zu bieten hat, allerdings für die Effizienz und den Fortschritt spezialisierte Intermediäre und Kreditvermittler notwendig sind:

„Es haben sich zwar Märkte herausgebildet, in denen Kryptoeinheiten als Sicherheit für Kredite in anderen Kryptoeinheiten und in offiziellen Währungen dienen. Erforderlich ist dafür aber eine hohe Besicherung, die viele Transaktionen unwirtschaftlich macht. Ein Kreditmarkt ausschließlich in Kryptoeinheiten, der keine Voll- oder gar Überbesicherung erfordert, ist ohne „Klarnamen“ der Akteure schwer vorstellbar. Wenn Intermediationsdienste nachgefragt werden, ob nun im Einlagen- oder Kreditmarkt, dann würde der Bitcoin Konkurrenz bekommen, beispielsweise von einem digitalisierten Gold- oder Silbergeld.“

Im Endeffekt wird das Rennen durch die Nutzer bestimmt:

„Ich bin ein Befürworter eines freien Marktes für Geld: Dem Staat soll das Geldmonopol aus der Hand genommen werden, die Menschen sollen frei entscheiden können, welches Geld sie verwenden sollen. Dieser „Wettbewerb des Geldes“ ist ein Entdeckungsverfahren. Sein Ergebnis kann man nicht mit Gewissheit voraussehen. Aber ich denke, dass es vorschnell wäre zu sagen, der Bitcoin oder eine andere Kryptowährung werden das Rennen machen, dass sie das Gold- oder Silbergeld überholen und ausstechen werden.“

Welche Hürden muss Bitcoin noch meistern?

Zwar haben bereits Größen wie Elon Musk in Bitcoin investiert, doch steckt die älteste Kryptowährung noch in den Anfängen der Adaption. Wie werden Regulatoren zukünftig mit Bitcoin umgehen, und welche Gefahren könnten sich für Bitcoin daraus ergeben?

„Die tyrannischen Tendenzen, die die Staaten mittlerweile unübersehbar an den Tag legen, gehen auf Kosten von Freiheit und Wohlstand der Menschen. Sie werden auch die Qualität des staatlichen Geldes herabsetzen. Die starke Ausweitung der Geldmengen in vielen Ländern der Welt verursacht bereits steigende Inflation der Güterpreise, ein Schwinden der Kaufkraft des Geldes. In einem inflationären Umfeld wird der Staat sicherlich nicht nachlassen, alternative Währungen, alle Alternativen zu US-Dollar, Euro und Co. zu benachteiligen. Bislang geschieht das vorzugsweise durch die Besteuerung: Umsatzsteuer und Kapitalertragssteuer machen die Verwendung von zum Beispiel Gold und Kryptoeinheiten zu Zahlungszwecken unwirtschaftlich.“

Thorsten erläutert, dass die Verbreitung von Kryptowährungen auch durch bilanzielle Regeln erschwert wird:

„Beispielsweise kann eine US-Firma, die Bitcoin hält, sie nicht als Teil ihrer Kassenhaltung ausweisen, sondern als „Intangible Asset“. Die Konsequenz: Der Bitcoin wird bilanziell zu Anschaffungskosten einbucht. Fällt der Bitcoin-Preis unter die Anschaffungskosten, muss er abgeschrieben werden. Steigt er nachfolgend wieder an, darf die Wertsteigerung nicht wieder in der Bilanz ausgewiesen werden. Der Bitcoin wird bilanziell schlechter behandelt als die offiziellen Währungen und Schuldpapiere. Auch Gold lässt sich bilanziell nicht wie Euro oder US-Dollar unter den „liquiden Mitteln“ verbuchen, sondern wird dem Anlage- oder Umlaufvermögen zugerechnet.“

Zwar gehen einige Bitcoin-Maximalisten davon aus, dass Bitcoin nicht mehr aufzuhalten ist, doch ist natürlich nicht absehbar, welche Aktionen von politischer Seite möglich sind:

„Man kann an weitere repressive Maßnahmen des Staates denken, die den Vormarsch alternativer Geldarten verhindern sollen. Doch abschließend will ich auf den Lösungsweg zu sprechen kommen. Es ist die unerschrockene Verbreitung der Einsicht, dass das Fiat-Geld ökonomisch und ethisch defekt ist, dass besseres Geld möglich ist, dass man dafür einen freien Markt für Geld braucht. Ich bin auch zuversichtlich, dass einige Länder der Welt die Idee vom besseren Geld in die Tat umsetzen werden, und dass ihr Erfolg Nachahmer schaffen wird. Allen sollte jedoch klar sein, dass der Weg dahin durch ein tiefes Tal führt, auf dem das Fiat-Geld seine Kaufkraft einbüßt.“

 

 

Vielen Dank, Thorsten Polleit!

Und wenn du noch weitere spannende Einsichten in das Thema Wirtschaft möchtest, wirf doch einen Blick in Thorsten Polleits Buch „Der Antikapitalist“!

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